{"id":16,"date":"2026-07-29T13:38:11","date_gmt":"2026-07-29T11:38:11","guid":{"rendered":"https:\/\/powersmartcoat.de\/schimmelkriterium-oberflaechentemperatur\/"},"modified":"2026-07-29T13:38:11","modified_gmt":"2026-07-29T11:38:11","slug":"schimmelkriterium-oberflaechentemperatur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pscoat.gr/en\/schimmelkriterium-oberflaechentemperatur\/","title":{"rendered":"Why Mould Is Not Just a Heating Problem"},"content":{"rendered":"<p>Wer Schimmel an einer Au\u00dfenwand sieht, h\u00f6rt meistens denselben Ratschlag: mehr heizen, mehr l\u00fcften. Das greift zu kurz. Ob Schimmel w\u00e4chst, entscheidet nicht die Raumtemperatur, sondern die Temperatur der <strong>raumseitigen Bauteiloberfl\u00e4che<\/strong> \u2014 und die kann deutlich unter der Raumluft liegen, ohne dass es jemand merkt.<\/p>\n<h2>Der Grenzwert steht in einer Norm, und er ist \u00fcberraschend hoch<\/h2>\n<p>DIN 4108-2 fordert im Bereich von W\u00e4rmebr\u00fccken an der ung\u00fcnstigsten Stelle der raumseitigen Oberfl\u00e4che einen Temperaturfaktor von f<sub>Rsi<\/sub> \u2265 0,70. Der Faktor ist dimensionslos und beschreibt, welcher Anteil der Temperaturdifferenz zwischen innen und au\u00dfen an der Oberfl\u00e4che noch ankommt:<\/p>\n<p><code>f<sub>Rsi<\/sub> = (\u03b8<sub>si<\/sub> \u2212 \u03b8<sub>e<\/sub>) \/ (\u03b8<sub>i<\/sub> \u2212 \u03b8<sub>e<\/sub>)<\/code><\/p>\n<p>Die Randbedingungen des Nachweises sind f\u00fcr Wohnnutzung festgelegt: 20 \u00b0C Innenluft, \u22125 \u00b0C Au\u00dfenluft, 50 % relative Raumluftfeuchte, h\u00f6chstens 80 % relative Feuchte an der Bauteiloberfl\u00e4che. Setzt man das ein, ergibt sich eine <strong>Mindest-Oberfl\u00e4chentemperatur von 12,6 \u00b0C<\/strong>.<\/p>\n<p>Diese 12,6 \u00b0C sind keine gerundete Konvention. Sie folgen aus der Magnus-Formel: Bei 20 \u00b0C und 50 % Raumluftfeuchte betr\u00e4gt der Wasserdampfdruck 11,66 hPa. Die Oberfl\u00e4chentemperatur, bei der dieser Dampfdruck 80 % des S\u00e4ttigungsdampfdrucks ausmacht, liegt bei 12,62 \u00b0C.<\/p>\n<h2>Warum der Taupunkt die falsche Messlatte ist<\/h2>\n<p>In der Praxis wird oft der Taupunkt herangezogen \u2014 die Temperatur, bei der die Luft ges\u00e4ttigt ist und Wasser ausf\u00e4llt. Bei 20 \u00b0C und 50 % relativer Feuchte liegt er bei <strong>9,3 \u00b0C<\/strong>.<\/p>\n<p>Die Schimmelgrenze liegt aber schon bei 12,6 \u00b0C, also <strong>3,3 Kelvin dar\u00fcber<\/strong>. Wer auf sichtbares Kondensat wartet, wartet zu lange. Die Verbraucherzentrale formuliert es so: \u201eAb etwa 70 bis 80 Prozent direkt an einer k\u00fchlen Wand k\u00f6nnen Schimmelpilze wachsen. Daf\u00fcr muss sich die Wand weder feucht anf\u00fchlen noch Kondenswasser sichtbar sein.&#8221;<\/p>\n<h2>Die 80-Prozent-Regel ist eine Dauer-Regel<\/h2>\n<p>Der Schimmelleitfaden des Umweltbundesamtes ist an dieser Stelle pr\u00e4zise. Die Feuchtegrenze, unterhalb derer unter sonst optimalen Bedingungen kein Wachstum stattfindet, liegt bei etwa <strong>70 % relativer Feuchte an der Oberfl\u00e4che<\/strong>. Zwischen 70 und 80 % reicht es aus, wenn die Feuchte \u201e\u00fcber l\u00e4ngere Zeit einwirkt&#8221; \u2014 Materialien m\u00fcssen daf\u00fcr nicht sichtbar nass sein. \u00dcber 80 % wachsen nahezu alle innenraumrelevanten Arten.<\/p>\n<p>Die Arten unterscheiden sich dabei erheblich. Angegeben wird das als a<sub>w<\/sub>-Wert, der dem Zahlenwert der relativen Oberfl\u00e4chenfeuchte geteilt durch 100 entspricht:<\/p>\n<ul>\n<li><em>Aspergillus restrictus<\/em> \u2014 ab a<sub>w<\/sub> 0,70 bis 0,75<\/li>\n<li><em>Aspergillus versicolor<\/em> \u2014 ab 0,78<\/li>\n<li><em>Penicillium chrysogenum<\/em> \u2014 ab 0,78 bis 0,81<\/li>\n<li><em>Cladosporium cladosporioides<\/em> \u2014 ab 0,86 bis 0,88<\/li>\n<li><em>Stachybotrys chartarum<\/em> \u2014 erst ab 0,94<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Der Nachweis rechnet bewusst mit dem ung\u00fcnstigen Fall<\/h2>\n<p>Ein Detail, das leicht \u00fcbersehen wird: Im Schimmelnachweis wird der raumseitige W\u00e4rme\u00fcbergangswiderstand mit R<sub>si<\/sub> = 0,25 m\u00b2K\/W angesetzt \u2014 fast doppelt so hoch wie die 0,13 m\u00b2K\/W der U-Wert-Berechnung.<\/p>\n<p>Das ist kein Fehler, sondern Absicht. Der h\u00f6here Wert bildet den <strong>behinderten W\u00e4rme\u00fcbergang<\/strong> ab: in Raumecken, an Kanten, hinter M\u00f6beln, hinter Vorh\u00e4ngen. Genau dort, wo Schimmel zuerst auftritt, kommt weniger W\u00e4rme aus dem Raum an der Oberfl\u00e4che an.<\/p>\n<p>Das erkl\u00e4rt auch, warum Schimmel typischerweise in Ecken und hinter Schr\u00e4nken beginnt und nicht mitten auf der freien Wandfl\u00e4che.<\/p>\n<h2>Was das f\u00fcr die Praxis hei\u00dft<\/h2>\n<p>Drei Dinge lassen sich daraus ableiten:<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Die Oberfl\u00e4chentemperatur ist die Messgr\u00f6\u00dfe<\/strong>, nicht die Raumtemperatur. Ein Infrarot-Thermometer an der k\u00e4ltesten Stelle sagt mehr als jedes Raumthermostat.<\/li>\n<li><strong>Die relative Raumluftfeuchte verschiebt den Grenzwert.<\/strong> Steigt sie von 50 auf 60 %, steigt auch die erforderliche Mindest-Oberfl\u00e4chentemperatur. Der Nachweis gilt nur unter seinen Randbedingungen.<\/li>\n<li><strong>f<sub>Rsi<\/sub> \u2265 0,70 bedeutet nicht \u201ekein Schimmel&#8221;.<\/strong> Es ist eine Mindestanforderung unter genormten Bedingungen an der ung\u00fcnstigsten Stelle \u2014 kein Freibrief und kein Planungsziel.<\/li>\n<\/ol>\n<h2>Und die Nutzung?<\/h2>\n<p>Ehrlichkeitshalber: Das Umweltbundesamt systematisiert die Ursachen von Feuchtesch\u00e4den ausdr\u00fccklich in <strong>bauliche<\/strong> und <strong>nutzungsbedingte<\/strong>. Wer behauptet, Schimmel habe nie etwas mit Heizen und L\u00fcften zu tun, verk\u00fcrzt genauso wie die Gegenseite.<\/p>\n<p>Der Punkt ist ein anderer: Wenn die Oberfl\u00e4chentemperatur baulich unter dem Kriterium liegt, l\u00e4sst sich das durch Nutzerverhalten kaum noch ausgleichen. Dann hilft kein L\u00fcftungsprotokoll, sondern nur eine Ver\u00e4nderung am Bauteil.<\/p>\n<hr>\n<h3>Quellen<\/h3>\n<ul>\n<li>DIN 4108-2 \u2014 W\u00e4rmeschutz und Energie-Einsparung in Geb\u00e4uden, Mindestanforderungen an den W\u00e4rmeschutz. <em>Hinweis: Seit Mai 2026 gilt die Fassung 2026-05, die 2013-02 ersetzt; Tabelle 3 wurde neu gestaltet.<\/em><\/li>\n<li>Umweltbundesamt, Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Geb\u00e4uden (2017), Kap. 1.2 und Tabelle 3<\/li>\n<li>Verbraucherzentrale NRW, \u201eWohnen ohne Schimmel&#8221;, S. 6<\/li>\n<li>Deutscher Wetterdienst, Wetter- und Klimalexikon, Stichworte \u201eRelative Feuchte&#8221; und \u201eTaupunkt&#8221;<\/li>\n<li>Landeshauptstadt M\u00fcnchen, FES-Infoblatt zum Mindestw\u00e4rmeschutz nach DIN 4108-2<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Die Zahlenwerte in diesem Beitrag sind Rechenwerte nach Norm unter den genannten Randbedingungen. Sie sind keine Messwerte an einem konkreten Geb\u00e4ude und keine Zusage f\u00fcr ein Bauvorhaben.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>It isn&#8217;t room temperature that decides mould growth \u2014 it&#8217;s the wall&#8217;s surface temperature. Why the DIN 4108-2 threshold sits at 12.6 \u00b0C \u2014 3.3 kelvin above the dew point.<\/p>\n","protected":false},"author":0,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-16","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bauphysik"],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/pscoat.gr/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/pscoat.gr/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/pscoat.gr/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pscoat.gr/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/pscoat.gr/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/pscoat.gr/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/pscoat.gr/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=16"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/pscoat.gr/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=16"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}